2013-2002 / 2001-1994

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Antworten auf Ellens Fragen
Im Rahmen Ihrer Magisterarbeit "Zur Interpretation des malerischen Werks von Leander Kaiser in der Zeit von 1988 bis 2011 anhand ausgewählter Bildbeispiele" legte Ellen Tiefenbacher Kaiser eine Reihe von Fragen vor, die diesen veranlassten, seine gegenwärtige künstlerische Position zu formulieren.
Wien, im Jänner 2013
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LK: Im Ansatz ist der Text nach wie vor eine brauchbare Positionsbestimmung. Aber ich glaube, dass sich in meiner Malerei und in
meinem Denken doch viel vollzogen hat, was darüber hinaus geht. Ich denke heute die Bilder mehr als Gegenwart eines imaginären Raums, in dem sich das Individuelle, das Gesellschaftliche und das Historische begegnen – oder anders ausgedrückt: die Geste, das Konstrukt und die Memoria des Anderen, der menschlichen Möglichkeit, die nicht eingeholt ist in unser heutiges Leben. Doch das ist auch schon angelegt in dem alten Text. Er enthält auch eine Abgrenzung von postmoderner Beliebigheit. Bei der Bildfindung und Realisierung denke ich aber weder an den alten Text noch an meine neueren Überlegungen. Es ist eher eine eingeübte Fokussierung der Ausmerksamkeit für Stoffe, Figuren und Räume als eine explizite Überlegung, dass dann in etwa heraus kommt, was ich mir programatisch als Ziel gesetzt habe.

ET: Ihrer Biografie ist zu entnehmen, dass Sie zwei Jahre lang bei Max Weiler an der Akademie der bildenden Künste studiert haben. Wie stehen Sie zu Max Weiler und in diesem Zusammenhang zur abstrakten Malerei?

LK: Es waren nur eineinhalb Jahre, dann hat er mich hinausgeschmissen. Er hielt Anfangs große Stücke auf mich, billigte mir sogar zu, „einen Traum zu haben“, was er sonst nur sich selbst zugebilligt hat. Er wollte nicht akzeptieren, dass mein Traum ein anderer Traum war. Seiner Malerei begegne ich mit großem Respekt, manchmal sogar mit Bewunderung, doch ich selbst wollte auf keinen Fall so oder so ähnlich malen. Ich hielt schon damals die abstrakte Malerei im Grunde für erledigt. In Weilers Traumlandschaften vibrieren die gegenständlichen Assoziationen, er lässt eine vieldeutige Mimesis einer „natura naturans“ erstehen, das Menschenwerk kommt nicht vor. Sie haben etwas unbewusst Illusionäres. Damit reiht er sich in den kosmopolitischen Antihumanismus einer Generation ein, die aus christlich-konservativen Erneuerungsbewegungen kommend dann dem Nazitum erlegen ist. Nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reichs“ waren sie von der ganzen Menschheit enttäuscht. Eigentlich jedoch kann man Weiler nicht wirklich einen abstrakten Maler nennen.

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