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Gespräch Michael Ley und Leander Kaiser

Wien, 2004
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ML: Wenn ich deine Kunst betrachte, so stelle ich fest, dass du einen Bruch mit der modernen Kunst, mit der Kunst der Moderne, der Avantgarde der Moderne machst. Ist die Revolution der modernen Kunst zu Ende bzw. was war diese moderne Kunstrevolution?

LK: Ich bin schon lange davon ausgegangen, dass die Kunst des 20. Jahrhunderts eine Periode der Kunstentwicklung unter anderen ist. Sie weist gewisse Errungenschaften auf, die sicher nicht das letzte Wort in der Geschichte der Malerei darstellen, und die integriert werden müssen mit den Errungenschaften der früheren Malerei. Der Avantgardismus des 20. Jahrhunderts. hat eine sehr zerstörerische Wendung gegen die dem Material der Malerei einverleibten Gestaltungsmöglichkeiten genommen, eine Wendung, die die Kunst in eine antimaterielle, antihumane, Geistigkeit entrücken wollte. Die Malerei wurde zum Mittel eines Programms der Überwindung der gegenwärtigen Menschheit. Dieses – gnostische – Programm kann ich nicht teilen.

ML: Wenn du von Gnosis sprichst, dann sprichst du davon, dass moderne Kunst offensichtlich einem religiösen Phänomen darstellt, dass also moderne Kunst letztlich eine religiöse Kunst darstellt, eine Kunst, die von der Weltverneinung ausgeht und durch ihre Ausdrucksform die Welt radikal verändern will.

LK: Malewitsch, Mondrian, Kandinsky usw. - die Protagonisten der Abstraktion – hatten ja tatsächlich die Idee, dass durch die Veränderung der Formsprache der Kunst und die Expansion der Formen der Kunst in den gesamten Lebensraum eine Totalveränderung der Wirklichkeit stattfinden solle. Eine Totalveränderung der Wirklichkeit wie sie auf anderer Ebene von den totalitären Bewegungen des 20. Jahrhunderts angestrebt worden ist. Das Ziel dieser Veränderung – die Verwandlung des Menschen in eine Art Geistwesen oder der „neue Mensch“ ist religiös.

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