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Macht des Steins - Würde des Menschen

Leander Kaiser, Wien, Februar 2010
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Mit dem gewaltigen Stein „GIGANT Mensch Macht Würde“ kulminiert die Reihe der Denkmalsetzungen der Bildhauerin Ulrike Truger in Wien. Er überragt nicht nur den „Omofuma“-Stein auf der Mariahilferstraße beim Museumsquartier und „Die Wächterin“ vor dem Burgtheater durch seine Höhe von sechs Metern bei einem Gewicht von 16 Tonnen Mamor. Er fasst auch die Thematik zusammen: die notwendige Empörung und den Widerstand gegen die Entwürdigung des Menschen.

Ich spreche von „Denkmalsetzungen“, weil es in jedem Fall ein politisches und künstlerisches Handeln ohne Auftrag, aus Eigenwillen und persönlichem Verantwortungsbewußtsein, auf Risiko und Rechnung der Künstlerin war. Wie auch diesmal war jede Denkmalsetzung ein Kampf um die Durchsetzung des Ortes und der Präsenz im öffentlichen Raum. Ein Kampf sowohl für das humanistische Anliegen als auch für die Gültigkeit der künstlerischen Aussage; und ein Kampf gegen den resignativen Rückzug der Kunst aus der politeia.

Die Thematik des GIGANTEN erinnert mich an eines der bedeutendsten Werke der amerikanischen Farbfeldmalerei, den „VIR HEROICUS SUBLIMIS“, also übersetzt den heroischen, erhabenen Menschen oder Mann, von Barnett Newman, ein Bild von architektonischen Ausmaßen in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York. Ich glaube, dass Barnett Newman damit der Verdinglichung, Entfremdung und Selbstverkleinerung ein Bild von der Größe des Menschen entgegensetzen wollte, ein Bild, vor dem sich der Betrachter aufrichten kann, das auffordert, standzuhalten im Getriebe der Zeit. Eine ähnliche Intention scheint in die Gestaltung des GIGANTEN eingegangen zu sein: eben sich aufzurichten, sich innezuwerden der eigenen Menschenwürde, standzuhalten im Widerstand gegen die antihumanen Tendenzen der Zeit. Und wenn dies Aufrichten auch nur wie eine Berührung im Vorübergehen sein mag, so hat der GIGANT seinen Adressaten erreicht.

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