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Verena Krieger über Leander Kaiser
Rede zur Eröffnung der Ausstellung Leander Kaiser, Geste und Kuonstrukt, in der Galerie Michitsch
Verena Krieger, Wien, 17. November 2009
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Hier liegt der Sinn der immer wieder auftauchenden Paraphrasen einzelner Motive oder Figurationen aus der Kunst­geschichte, Assoziationen an Piero della Francesca, Ambrogio Lorenzetti, aber auch an Matisse oder De Chirico. In Leander Kaisers Bildern werden Malereitraditionen aufgerufen, doch sie werden gleichzeitig verfremdet durch Um- und Weiterverarbeitung im Prozess seines Ringens um die ihnen zugrunde liegenden malerischen Probleme, um die es ihm eigentlich geht.

Auch Leander Kaisers Entscheidung, figurativ zu malen, verdankt sich diesem spezifischen Zugang zum Medium. Seine Figuren sind keine Abschilderungen konkreter Personen, so wie alle erkenn­baren Bildgegenstände in seinen Gemälden eher flüchtig aufscheinende Erinnerungen an zurück­liegende Eindrücke sind, gebrochen durch das eigene Erleben und die eigene malerische Phantasie. Vielleicht deshalb haben die Figuren meist einen un- oder besser überpersönlichen Charakter, wirken sie merkwürdig indifferent und entrückt, wie Traumwandler in ihren fernen Bildwelten. Sie agieren in undefinier­baren, überzeitlichen Räumen ohne festen Stand und Grund, gleichsam schwebend. Dieser Schwebe­zustand wird in Leander Kaisers Gemälden oft explizit zum Thema, das Austarieren des Gleich­gewichts ist ein immer wiederkehrendes Motiv – so etwa bei der „Frau mit Jojo“. Die Besonderheit dieser malerischen Equilibristik besteht darin, dass hier die Balance nicht perfekt gehalten wird, dass die Figur aber auch nicht das Gleichgewicht verliert, zu einer Seite hin kippt – sie befindet sich gewissermaßen im Schwebezustand zwischen Gleichgewicht und Gleichgewichtsverlust. Vermutlich darin liegt der Grund dafür, weshalb diese Schwebebilder den Blick fesseln.

In den letzten Monaten hat sich Leander Kaiser einem für ihn ganz neuen Sujet zugewandt, der Landschaft. In Italien entstanden mehrere Bilder aus der eigenen Vorstellung oder nach erinnerten Naturerlebnissen, darunter die berühmten Kaskaden bei Terni. Das phantastische Naturschauspiel des dreisprüngigen Wasserfalls, über dem fast immer ein Regenbogen zu sehen ist, hat Maler immer schon fasziniert und herausgefordert. Leander Kaiser hat das Motiv mit seinem eigenen Thema der Equilibristik verschmolzen und in dem für ihn so charakteristischen Hochformat verarbeitet.

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