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Stillstand der Bilder

Peter Weiermair, Bologna 2002
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... Vor nicht allzulanger Zeit hat Leander Kaiser mit anderen österreichischen Künstlern in der römischen Galerie Il Polittico ausgestellt, die der Idee nach eher als ein italienischer Kunstverein anzusehen ist denn als Privatgalerie. An dem Konzept der dort vertretenen Künstler hat der früh verstorbenene ‘critico militante' Italo Mussa mitgewirkt, der der Bewegung den Namen Pittura colta gegeben hat. Die Künstler der Pittura colta beziehen sich formal wie inhaltlich auf das klassische Erbe figurativer Malerei und legitimieren sich auch innerhalb einer Entwicklungslinie der Novecentomalerei römischer Prägung. Eine Reihe von Merkmalen teilt Leander Kaiser mit diesen Künstlern, und seine Präsenz in diesem Rahmen war durchaus gerechtfertigt.

Jenseits der im allgemeinen symbolisch oder literarisch deutbaren Szenen seiner Kunst, die auch ganz archetypischen Charakter besitzen und von Zeit- und Ortlosigkeit bestimmt sind, den Darstellungen des Ausgesetztseins, der liebenden Vereinigung, des Schlafs wie der Erwartung, von Streit wie häuslicher Harmonie, sind es vor allem ganz bestimmte Stimmungen, bei denen die Bilderzählung zum Stillstand kommt und Farb- wie Formerfahrungen der alten Kunst sich in der Malerei spiegeln. Diese Erfahrungen lassen sich nur bei Kaisers Bildern machen - das Aufleuchten eines weissen Seidenkleides, das von Tiepolo entlehnt scheint, oder das Rot eines pompejanischen Freskos in einem trotz der Figuration abstrakt wirkenden Bild. Es tritt weniger ein Wiedererkennen als eine Ahnung der Erinnerung ein, eine Ahnung, die jedoch die Eigentümlichkeit dieser Bilder verstärkt.

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