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Die Bienen der Persephone oder: Calling all Fridas und ein wenig Honig
Zur Entstehung der Bilder in Marrakesch – mein wildes Geschenk an Hildegard Stöger
Veronika Seyr, Wien 2008
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Der eigentliche Triumph besteht im Bildermachen, es stiftet nicht nur Zusammenhänge, sondern die Realität überhaupt, die Ich-Realität des Geträumten und Durchlebten. Immer noch das Gespräch und die bange Frage:
Wenn ein Mensch im Traum das Paradies durchwanderte, und man gäbe ihm ein Blume als Beweis, dass er dort war, und er fände beim Aufwachen diese Blume in seiner Hand – was dann? Wer die Möglichkeit kennt, dem wird die Wirklichkeit niemals genügen. Keine Antwort, nur immer wieder weiter malen, weiter schreiben, weiter denken.
Im Dämmerungsgürtel der Phantasie sitzt sie und breitet die Bootsträume vor sich aus.
Staub und Sterne, Sand und Fischernetze, der Goldammerngesang steigt zwischen den gelben Lampions der Pampelmusen hoch und verliert sich im Gespinst des Jasmins in der Morgendämmerung. Das Boot schaukelt sanft wie eine Wiege oder ein Totenbett.
Jonas stößt sich den Kopf am Gerippe im Inneren des Wals, vor der Nordklippe flüstern die verborgenen Stimmen, die im Stein ruhen. Die Steine bergen Erinnerungen, genau wie die Wellen und die Dünung, die Sirenen sammeln ihre Kräfte und werfen sich an die Oberfläche. Auch dort unten in der Dunkelheit gibt es Erinnerungen, tief unten, wo Fische und Schildkröten an unsichtbaren und stillen Fahrwassern entlang schwimmen.
Die Tiefseeperlentaucherin sitzt am dämmrigen Küchentisch, mit Rasierklingen kratzt sie unermüdlich Eis von den gefrorenen Tasten, klopft Muscheln und Schwämme von den Klippen, und sie sucht die Wüste ab, als gäbe es die festen Orte der Nomaden. Die Hufpaare schlagen stachelige Sterne aus den Gassen der Medina, das Leben schwimmt weg wie der Schaum eines Wellenhäubchens, zurück bleiben Lippen wie trockener Bernstein unter dem Maulbeerbaum. Der Schuster spannt fünf Ochsenhäute auf den Bock und macht daraus Stiefel. In der Kühle des Morgens tanzen die Musen durch eine Herde Schafe –  Bienenküsse und das Auferstehungswunder, unbeirrt schlagen die Goldammern ihren Gesang ins Ohr: Putputput- pötätööö!

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