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Die Bienen der Persephone oder: Calling all Fridas und ein wenig Honig
Zur Entstehung der Bilder in Marrakesch – mein wildes Geschenk an Hildegard Stöger
Veronika Seyr, Wien 2008
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Calling all Fridas

Will man vom Wolf nicht gefressen werden, dann hat man vielleicht nur die eine Möglichkeit, sich an seinen Rücken zu klammern. Sie spielt das Spiel vom Vergessen und Erinnern.
Fünfmal am Tag drohende Klagen über Allahs Größe, was du dir selbst versagst, schenke den Bedürftigen, verzerrt, krachend, vom Wind zerfetzt aus rissigen Lautsprechern.
Unsere Schritte erfinden sich nach und nach beim Gehen den Weg, weiße Mauern, Fenster und Türen in Blau und Türkis sollen bösen Blick und Geister abhalten. Die Webwaren waren Geld und Tauscheinheit. Keine Farbe ist zufällig, die Abfolge der Streifen repräsentiert das Berber-Universums. Das Farbenspektrum zerstreut das Böse in alle Richtungen und macht es unschädlich. Teppiche enthalten das Baraka, die günstige, übernatürliche Kraft, die Gnade.
Die Spiralmuster auf der Töpferei versinnbildlichen die Unsterblichkeit.
Tüpfelhyäne und Schreiadler bleiben heute ausgesperrt im Riad der Unsterblichkeit.
Ein marokkanischer Mann, der eine Tochter bekommt, gilt als zeugungsunfähig, aber wenn ein Sohn kommt, wird ein Hammel geschlachtet, das Blut fließt drei Tage in den Straßen, das Fleisch erhalten die Armen.
Ein Gespräch dazwischen: Die endgültige Gestalt kann der Mensch im Leben nicht finden. Er muss verlieren, was er hat, um es in der Erinnerung neu zu gewinnen. Immer steht ein Übergang an. Marrakesch ist so ein Übergang. Immer droht das Scheitern. Rituale dagegen fehlen heute. Malen schafft sich ihre eigenen und überlebt, vielleicht auch das Schreiben, das Komponieren, das Kochen? Die Freundschaft auch, vor allem.

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