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Die Bienen der Persephone oder: Calling all Fridas und ein wenig Honig
Zur Entstehung der Bilder in Marrakesch – mein wildes Geschenk an Hildegard Stöger
Veronika Seyr, Wien 2008
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In unseren Ohren hallt die unerlöste Menschheit wider wie das ewige Geschrei der gequälten Esel von Marrakesch, die Schildkröten schweigen und fressen sich durch den Schatten. Unter den Zikadenhämmerchen schnürt sie sich den bunten Schuh und  halftert die Schildpatt-Lyra. Sie ist Bote und Botschaft zugleich, die ferne Urenkelin öffnet Särge und Archipel. Sie pflügt die Zeit um und die Bilder im Wirbel der Wasser und ritzt sich an den Rosen. In roten Schuhen und mit dem vielfarbigen Lindenbast auf dem Kopf vereint sie sie zu leichten Kränzen und Flüssen in goldener Sorge um den schwarzen Familiensarg. Der Grillenschwarm tobt in den inneren Bildern, Penelope schenkt noch immer Honig aus den Flaschen, das Spinnrad ruht nie so wie die Zeit. Persephone kommt erst wieder nach dem Tod und der Vereinigung mit der Mutter. Nicht loszumachen ist das unvertäute Boot, sie bindet das Netz los, wirft sich das Seil um, es schneidet ein in die Schulter und die Seele, aus dem Sand zieht die Boote über den Hohen Atlas nach Hause, dabei ihr Kahn des Lebens, des Schicksals, inshallah, die Nacht hat Anker geworfen. Der Mond liegt unter ihren Füßen zwischen Staub und Sternen, die Pampelmusen leuchten wie gelbe Lampions in den dunklen Zweigen des Riad, der Brunnen bleibt stumm unter den Netzen der Dämmerzone. Noch immer berauscht sie sich am Gesang der Goldammern im Morgengrauen, er erfreut und wird als persönliches Geschenk angenommen.

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